Hermann Manot über seine Tochter Miriam:

Miriam und ihre Geschwister vor ca. 10 Jahren
Meine
Welt brach zusammen........ein Albtraum wurde Realität.........ich kann das
Gefühl gar nicht beschreiben..........und ich war überfordert. Meine Freundin
konnte nur langsam die neue Situation realisieren ........sie tat mir so
unendlich leid ........es war so grausam. Die Geburt eines Kindes .......sollte
doch ein Glücksmoment sein ........jetzt war es nur ein dunkles Loch
........was uns verschlang. Ein wenig Hoffnung blieb ja noch bis zum Gentest
........ein Strohhalm.........man wollte so gerne glauben..............dass die
Ärztin sich irrt ..............dass alles anders sein wird.
Mit
viel Glück bin ich tief nachts über die leere Autobahn wieder in unserer Miet-
Keller – Wohnung angekommen , mit weichen Beinen und speiübel., - ich musste
mich erst erbrechen. Dann musste ich die Familie, die auf eine gute Nachricht
wartete, über die neue Situation unterrichten. Es fiel mir sehr schwer
----- und die Nachricht löste eine Schockwelle in der Familie und im
Freundeskreis aus.
Der
Gentest war dann eindeutig ........ja unsere Tochter war behindert
.........Down Syndrom (mongoloid)
.........und es lag nicht an uns .......es war ein reiner Zufall
.........eine Laune der Natur ........
Ein
schwieriger Lernprozess für uns folgte..........mit diesen neuen Realitäten
umzugehen.
Als 1989 meine Tochter Miriam geboren wurde, ist mir klar
geworden, wie wenig wir im Leben wirklich beeinflussen können und wie sehr das Schicksal
in unserem Leben mitmischt; das, was ich nicht für möglich gehalten hatte - das
war eingetreten - es hatte diesmal eben nicht immer die anderen getroffen -
nein diesmal hatte das Schicksal uns ausgewählt. Ich war sehr getroffen und
betroffen ------- ich habe wirklich eine Zeitlang gebraucht, um alles so zu
akzeptieren wie es ist.
Für down - Kinder ist Miriam ein sehr lebendiges und aktives
Kind, was manchmal eben hilfreich ist und in anderen Fällen den Umgang mit ihr
auch nicht gerade erleichtert
Alles, was schwächer ist und in ihre Reichweite kommt, muss
damit rechnen, attackiert zu werden. Dann auf der anderen Seite hat sie auch
ihre weichen Seiten - ist großzügig und hilfsbereit.
Wer ein behindertes Kind hat ----- der sieht plötzlich, wie
viele behinderte Menschen es überhaupt gibt ----- wie viel Einsatz erforderlich
ist und wie schwer man es oft in der Gesellschaft hat. Dabei wollen diese
Menschen und ihre Angehörigen in aller Regel kein Mitleid - sondern Akzeptanz
Ich
bin jetzt Vater von drei Kindern, wir bekamen noch einen Sohn und eine Tochter,
die kerngesund sind. Auch wenn ich viel Angst während der Schwangerschaften
hatte.....haben wir doch auf eine
Fruchtwasseruntersuchung verzichtet.
* down sydrom: menschen, die drei statt den
üblichen zwei chromosomen auf dem 21. chromosomenpaar haben - man spricht daher
auch von "trisomie 21".das zusätzliche chromosom - also erbgut führt
zur dieser behinderung ------wobei die bandbreite der schädigung ganz
unterschiedlich sein kann.
Es war schon ein erhabenes Gefühl, Vater zu werden; ein Hauch von Stolz durchzog mich. Meine Freundin war am Anfang nicht so begeistert - wir waren sehr jung, noch in der Ausbildung ...
Es folgten Schwangerschaftsgymnastik und einen
Kurs über Säuglingspflege.
Dann
war es soweit, die Geburt unseres Kindes nahte, nach den ersten Anzeichen
begaben wir uns zur Klinik. Die Geburt zögerte sich über den ganzen Tag
hinaus.......es wurde Abend .........es wurde Nacht ........dann doch noch
..... es wurden Wehenmittel gegeben. Die Nerven angespannt wie Kinder vor
Weihnachten.
Kurz nach Mitternacht war es soweit : unsere
Tochter lag sanft auf dem Bauch ihrer Mutter.........es war schon ein
bemerkenswertes Gefühl, eine Geburt mitzuerleben.
Es
dauerte nicht lange und eine Kinderärztin kam zu uns in das Zimmer, schaute
sich das Kind noch mal an. Sie teilte
uns mit, dass sie uns was Wichtiges sagen müsste: „Ihr Kind sieht nicht ganz
normal aus! „Wir schauten etwas ungläubig und irritiert ..........war doch ein
ganz normales Baby ...........zumindest in unseren Augen. Meine Freundin wirkte
hilflos, während mir innerlich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Es
war also kein Zufall, dass die Kinderärztin
anwesend war ....sie war von den Hebammen informiert worden, die wohl
schon ihre Vermutungen gehabt hatten, aber sich nicht sicher waren. Daher ihre
eher stumme Anwesenheit die ganze Zeit. Ich tippte dann sofort auf das
Richtige. Ich fragte sie, ob es „mongoloid„ wäre, was sie bestätigte . 100%ig
könnte sie es nicht sagen .........aber die Anzeichen wären eben da........ein
Gentest würde letzte Gewissheit bringen.