Am See
Enge Gassen,
Kirchenglocken,
süße Düfte, die
verlocken.
Schiefe Häuser, grüne
Läden,
bunt von Blumenpracht
umgeben.
Silberne Olivenbäume,
blauer Himmel voller
Träume.
Palmenwedel und Zypressen
Grappa nach ’nem guten
Essen.
Straßen winden sich durch
Stein,
Tunnel, manchmal eng und
klein.
Berge, die den See
umarmen,
Menschen sonnen sich im
Warmen.
Im Wasser spiegelt sich
der Tag,
es ist genauso wie ich’s
mag.
In der Hand ein guter
Wein,
hier geht’s mir gut, hier will ich sein.
© silke kuwatsch
narbe
sinnlos
ist es allemal,
verschwendet
jeder gedanke,
doch erinnerungen
haben sich festgekrallt
und tiefe spuren hinterlassen.
narben werden immer bleiben
.© hermann manot
Kurt - Ausschnitt
Drei
Minuten vor dem Weckerklingeln schaute Kurt befriedigt zur Uhr. Wie jeden
Morgen. Bevor der Wecker anspringen konnte, drückte er ihn aus. Er blieb
liegen, bis der Kuckkuck siebenmal rief. Dann schwang er die Beine aus dem
Bett, direkt in die altmodisch anmutenden Hausschuhe hinein, lief in die Küche
und schaltete die Kaffeemaschine an, die er am Abend zuvor schon vorbereitet
hatte. Dann ging er ins Bad.
Exakt
zwölf Minuten später biss er in sein Marmeladenbrötchen, nahm die Tageszeitung
zur Hand und verbrühte sich den Mund am heißen Kaffee. Alles war wie immer. In
fünfzehn Minuten würde er das Haus verlassen, Frau Schmidt und ihrem Hund ein
freundliches „Guten Morgen“ zurufen und sich auf sein Fahrrad schwingen. Das
Auto war zur Inspektion, aber Kurt trat sowieso lieber in die Pedalen.
Er
faltete die Zeitung auseinander und überflog die Überschriften der Wirtschafts-
und Politikseiten. Die Kontaktanzeigen beachtete er schon lange nicht mehr. Vor
Jahren hatte er mal auf die eine oder andere geantwortet, aber der Versuch, auf
diesem Weg eine Frau zu finden, war kläglich gescheitert. Er war nicht das, was
Frauen wollen.
Als
er seine Kaffeetasse abspülte, hielt ein Transporter vor dem Haus. Flüchtig
schaute Kurt aus dem Fenster und registrierte, dass wohl jemand in die leere
Wohnung im dritten Stock ziehen würde. Genau über ihn.
Ein kurzer Blick zur Uhr mahnte ihn zur Eile. Er bückte sich, um in seine Schuhe zu schlüpfen und die Fahrradklammern an den Hosenbeinen zu befestigen, nahm seine Jacke vom Haken, wischte im Vorbeigehen über die Kommode, griff seine Aktentasche und öffnete genau um 7.35 Uhr die Wohnungstür. Weit kam er allerdings nicht. Ein riesiger Kleiderschrank versperrte ihm den Weg. „Was soll das denn?“ rief Kurt empört. „Ich komme zu spät zur Arbeit.“
© silke kuwatsch
Süden
Barfuss
sitze ich auf der Hintertreppe und sehe in den Garten.
Bananenpflanzen,
Zitronenbäume und ein Baum mit großen,
roten,
wunderschönen Blüten bannen meine Blicke.
Zwischen
den Treppenabsätzen hängen Wäschestücke,
und
aus jeder Himmelsrichtung ertönt andere Musik.
Irgendwo
kocht jemand etwas mit original italienischem Duft,
und
die Oma, die in Nachbar’s Garten sitzt,
hat sich in der letzten Stunde noch kein einziges Mal auf ihrem
Stuhl bewegt.
Ich bin ruhig und entspannt und schicke meine Gedanken auf
die Reise.
Um
Gedichte zusammenzutragen.
© katja müller-gottschalk
Zu viel gesagt,
um darüber nachzudenken.
Zu viel gesprochen,
um Einzelheiten zu verstehen.
Zu viele Gespräche,
um dich einzuschätzen.
Zu viele Worte - aber
zu wenig Inhalt.
Täglich!
© anja bunzel
Frau Schildkröt - Ausschnitt
Meine alte Puppe sitzt auf dem Regal in meinem Schlafzimmer. Von meinem Bett aus kann ich sie sehen. Sie ist etwa 43 Jahre alt. Ich bin 7 Jahre älter.
Die
Puppe hat Pausbacken und trägt die angedeuteten Haare an den Seiten zu
Ohrschnecken. Es ist ein Schildkrötpuppe, wie sie in meiner Kindheit in Mode
war. Sie hat blaue Augen und lächelt freundlich. Das Kleid, aus kariertem Stoff
mit Rüschen an den Ärmeln, hat ihr meine Mutter genäht. Auch die blau
gestreifte Schürze, die sie darüber trägt. Der Schürzenlatz ist in Herzform
genäht und mit rotem Band eingefasst. Richtige Haare haben mir an ihr immer
gefehlt, ich hätte sie gerne gekämmt.
Die
Finger meiner Puppe sind gespreizt. Biegt man die Arme nach unten, wirkt sie
mit diesen gespreizten Fingern hilflos. Hebt man die Arme ein Stück hoch, bis
in die Mitte, sieht es so aus, als wollte sie auf den Arm genommen werden. Wenn
ich die Arme ganz nach oben biege, sieht sie aus wie unser Pfarrer, wenn er
seinen Sonntagssegen spricht. Nur, dass er keine Pausbacken hat wie meine
Puppe.
Ihren
Namen habe ich leider vergessen. Ich vermute, sie hieß Petra, Monika oder
Brigitte. Das waren damals die Modenamen. Jetzt heißt sie Frau Schildkröt.
Ihre
Beine und Arme hängen an Gummischnüren, die schon etwas lahm sind. Wie mein
Rücken und meine steifen Knie.Frau
Schildkröt hat einen runden Bauch, der mir gefällt, weil er meinem ähnelt. Gut,
dass ich keine Barbiepuppe hatte!
. © hermine geißler
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